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SITTING BULL UND SEINE WELT
Vorwort zum Katalog
Univ.-Prof. Dr. Christian Feest
Direktor des Museums für Völkerkunde Wien
Sitting Bull zählt - gemeinsam mit Crazy Horse,
Geronimo und im deutschen Sprachraum auch Winnetou - zu jener
erlesenen Gruppe von Personen, deren Name in der Vorstellungswelt
einer breiteren Öffentlichkeit mit dem Schicksal der „Indianer“
Nordamerikas verbunden ist. Winnetou hatte dabei den Startvorteil,
dass sein von Karl May erdachtes Leben und Wirken durch Bücher
in Millionenauflage und die daraus abgeleiteten Filme bis in
unser Unterbewusstsein vordringen konnte und dass Fiktion in
ihrer Stilisierung meist einprägsamer ist als die vielschichtige
Wirklichkeit. Freilich ist auch das, was wir über Sitting
Bull, seinen Freund Crazy Horse (unsterblich gemacht durch einen
Pariser Nachtklub) und Geronimo wissen, eine bunte Mischung
aus Mythen und Fakten.
Angesichts dieser Prominenz mag es erstaunen, dass Sitting Bull
in den USA, in deren Geschichte ihm als Verkörperung des
Widerstands der Urbevölkerung gegen den Vormarsch der westlichen
Zivilisation eine herausragende Rolle zugebilligt wird, niemals
Thema einer umfassenden Ausstellung war. Man mag den Grund dafür
in der bis heute vor allem in seiner engeren Heimat durchaus
kontroversen Einschätzung seines Charakters suchen oder
in der zögerlichen Befassung der ethnologischen Museen
mit der Rolle des Individuums in vorstaatlichen Gesellschaften.
Und doch eignet sich Sitting Bulls Lebensgeschichte in besonderer
Weise dazu, bis heute nützliche Einsichten in das Schicksal
indigener Völker unter den Bedingungen des Kolonialismus
und der Globalisierung und die damit verbundene Produktion von
Mythen zu vermitteln.
Die Ausstellung „Sitting Bull und seine Welt“ verdankt
ihren Ursprung einem Projekt, das im Jahr 1999 von mir und meinen
damaligen Studentinnen der Johann Wolfgang Goethe- Universität
in Frankfurt am Main über Einladung des Hessischen Landesmuseums
Darmstadt, das selbst über einen kleinen Bestand von „Sitting
Bulliana“ verfügt, verwirklicht werden konnte. Die
damals in weniger als einem Jahr konzipierte Ausstellung „Sitting
Bull. Der Letzte Indianer?“ wurde vom Publikum sehr positiv
aufgenommen und der sie begleitende Katalog ist längst
vergriffen. Das schon damals bestehende Interesse, die Ausstellung
auch an anderen Orten zu zeigen, scheiterte freilich an den
Bedenken mancher Leihgeber, sich länger als für einige
Monate von ihren Beständen zu trennen.
„Sitting Bull und seine Welt“ beruht im Kern auf
den selben Beständen wie die Darmstädter Ausstellung;
diese wurde jedoch durch zusätzliches Bildmaterial, einige
bedeutende neue Ausstellungsstücke und etliche im ersten
Anlauf ausgesparte Themen ergänzt. Konservatorische Bedenken
seitens der Leihgeber haben andererseits dazu geführt,
dass manche der vor zehn Jahren noch als reisefähig erachteten
Objekte heute nicht mehr gezeigt werden können. Der ausdrückliche
Wunsch einer Einbindung der Nachkommen Sitting Bulls und der
Vertreter der Standing Rock Reservation, auf der Sitting Bull
zu Tode kam, scheiterte an den anhaltenden Konflikten darüber,
wer dazu berechtigt sei, die Geschichte zu erzählen und
sie damit zu kontrollieren.
Am vorliegenden Katalog sind auch einige „Veteranen“
der ersten Sitting Bull-Ausstellung beteiligt. Zusätzlich
konnten aber neue Autoren gewonnen werden, deren profundes Wissen
zu einer wesentlichen Bereicherung des Inhalts beigetragen hat.
Ohne die Bereitschaft der zahlreichen Leihgeber, Bestände
aus ihren Sammlungen für diese Ausstellung verfügbar
zu machen, wäre jeder Versuch einer Wiederbelebung Sitting
Bulls gescheitert. Zu den schon in Darmstadt vertretenen Institutionen
(die State Historical Society of North Dakota in Bismarck, das
American Museum of Natural History, das Hessische Landesmuseum
Darmstadt, das Karl-May-Museum Radebeul, das Linden- Museum
Stuttgart, die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, das Landesmuseum
für Natur und Mensch in Oldenburg, die Ethnographische
Sammlung am Historischen Museum Bern und einige private Leihgeber)
sind nun auch noch das Staatliche Museum für Völkerkunde
München, das Übersee-Museum in Bremen und das Néprajzi
Múzeum in Budapest hinzugekommen. Ein erheblicher Teil
der damals und jetzt gezeigten Werke stammt aus den Beständen
des Museums für Völkerkunde, Wien. Unser Dank geht
nicht nur an diese Institutionen, sondern vor allem auch an
deren Kuratoren, Restauratoren und anderen Mitarbeiter, ohne
deren Mitwirken diese Ausstellung niemals zu Stande
gekommen wäre.
Die Hauptlast der Organisation lag in den bewährten Händen
der Ausstellungsabteilung des Kunsthistorischen Museums mit
Museum für Völkerkunde und Österreichischem Theatermuseum,
der deshalb auch mein ganz besonderer Dank gilt. Gemeinsam mit
den Kooperationspartnern, dem Übersee-Museum in Bremen
und dem Museum Centre Vapriikki in Tampere, ist es ihr schließlich
auch zu verdanken, dass die Geschichte von Sitting Bull und
seinem Volk, den Lakota, in ihren historischen und mythischen
Dimensionen jene Gestalt angenommen hat, die sich der Ausstellungskurator
an seinem Schreibtisch nur erhoffen konnte.
Ausstellung
SITTING BULL UND SEINE WELT
Ausstellungsdauer: 10.12.2009 bis 15.3.2010 täglich außer
Dienstag 10 bis 18 Uhr
Museum für Völkerkunde
1010 Wien, Heldenplatz
Völkerkundemuseum
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Bull und seine Welt
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